Liebe im Dunkeln – Die Aufführung
Oktober 2, 2011
Wie die geneigte Leserin und der geneigte Leser wissen, fand am 17. September 2011 eine schaurig-schöne Theateraufführung in den Munot-Kasematten Schaffhausen statt. Ich hatte vorab darüber berichtet. Sehen Sie hier. Versprochen wurden heiße Musik, kühle Dialoge und verblüffende Effekte. Mit einer schwer zu beschaffenden Mini-Finanzierung für harte Kosten, einem nicht oder kaum vorhandenen Werbebudget und trotz zahlreichen organisatorischen Schwierigkeiten wurde die Veranstaltung ein Erfolg. Wenn man bedenkt, dass für 200 Besucher eine eigens errichtete Bestuhlung vorhanden und die Kasematten bis zum letzten Platz gefüllt waren. Die örtliche Presse tat uns den Gefallen und die Resonanz in der Öffentlichkeit kann als sehr befriedigend bezeichnet werden. Grund für den Erfolg waren mit Sicherheit das Konzepts einer Aufführung mit Jugendlichen und vor allem deren Enthusiasmus. Alle Teilnehmer stellten ihre Freizeit und ihr Talent kostenlos zur Verfügung: Die Musiker mit Valentin, Andreas und Thomas; der Zauberer Lorios; die Breakdancer mit Simona, Tam, Kasper, Eric, Silvan, Bojan; und die Darsteller der Kanti Schaffhausen. Deren Namen folgen weiter unten. Auch das Engagement von freiwilligen Helfern war ausschlaggebend. Es waren naturgemäß nicht viele, aber sie waren klasse. Der Eintritt in den Kasematten mit einem sogenannten Museumsnachtbändel, der für alle Veranstaltungen der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen galt, war bei uns ansonsten frei. Also keine Refinanzierung für uns.
~Die Munot-Kasematten: Ein schaurig-schöner Ort~
Die Proben
Da der Munot mit seinen Kasematten ein denkmalgeschütztes Gebäude und außerdem stark frequentiert ist, konnten vorab keine Proben in den Kasematten stattfinden. Geprobt werden konnte auch nicht mit allen Beteiligten. Ich musste mich auf die Künste der Musikgruppe „In-Love-Your-Mother“ aus dem Kanton Zürich, des Zauberer „Lorios“ aus Schaffhausen und den Breakdancern der Gruppe „Turning Point“ aus dem Kanton Thurgau verlassen. Eine Abstimmung fand aber über viele Telefonate und den Austausch von Mails mit MP3´s statt. So konnte sich eine Gesamtchoreografie formen. Die eigentliche Textprobe mit den Darstellern der Kanti Schaffhausen – mit Linda, Rebecca, Hannah, Anna, Lisa und Robin – fand in den zentral gelegenen Räumen von Marketing Marina Furrer, die Gesamtausrichterin der Museumsnacht ist, statt. Immer in kleinen Gruppen, da die knappe Zeit der Schüler so besser zu nutzen war. Wir hatten pro Gruppe im Schnitt vier Proben und danach eine Hauptprobe ohne Bühne und Kostüm.
~Die Darsteller Linda, Rebecca, Hannah, Anna, Lisa und Robin~
Die Vorbereitung in den Kasematten
Die Kasematten sind ein wunderschöner und geheimnisvoller Raum, der aber ziemlich feucht und nebst einigen Elektroanschlüssen ohne Infrastruktur ist. Die Akustik ist problematisch. Es hallt gehörig. Vorab sei gesagt, dass wir deshalb für die Musik kein normales, sondern ein elektronisches Schlagzeug nutzten und alle Instrumente und Sprache – die mittels Funkmikros übertragen – über den Mischpult steuerten. Danke Andrea von den „In-Love-Your-Mother“. Am Freitag vor der Veranstaltung wurden die Bestuhlung und die Bühne aufgebaut. Am Montag wurde abgebaut. Dabei half mein Freund Andy, der von seiner Firma für den Transport aller Elemente kostenlos mit einem ausreichend großen Fahrzeug ausgeliehen wurde. Geholfen haben auch die Kräfte von Impuls Schaffhausen. Dies ist eine städtische Organisation, die zu moderaten Preisen Arbeitslose vermittelt. Ich wurde vorab gewarnt, dass es Schwierigkeiten geben könnte. Nach meiner Erfahrung muss ich aber Impuls und den vermittelten Leuten ein Kränzlein widmen. Diese Arbeitlosen haben Ehrgeiz und Fachkenntnis. Da der Boden in den Kasematten äußerst uneben ist, musste das Untergestell der Bühne in mühevoller Kleinarbeit in Waage gebrach werden. So perfekt und schnell wurde wahrscheinlich noch nie eine Bühne aufgebaut. Bei der Elektroinstallation hat Roland „Rolly“ Bernath mit seinen Leuten von der gleichnamigen Firma ebenfalls kostenlos geholfen. Rolly war es auch, der mit Material und Fachkenntnis das UV-Licht-Spektakel erst möglich gemacht hat. Grandios waren zwei junge Mädchen aus Rapperswil, Karin und Gabriela. Sie kümmerten sich um Make-up und Frisur mittels Leuchtschminke und Leuchtschnüren. Kunstvoll. Normalerweise arbeiten sie bei Fotoproduktionen für Musikgruppen und Kindergeburtstagen. Ehe ich es später vergesse möchte ich Franzisca Lang von Coiffure Piccolo und meinen Freund Faxe erwähnen. Beide gehörten zum „Theater vor dem Theater“. Franzisca reichte den Besuchern zur Begrüßung ein Zauberwässerchen, das im UV-Licht bläulich schimmerte, aber ansonsten harmloses Mineralwasser war. Faxe, seines Zeichens Motorradrocker und langjähriger Türsteher in Clubs, kontrollierte – zum Fürchten tätowiert, aber doch charmant – den Einlass. Last but not least sind unbedingt die beiden Damen von der Jugendarbeit Schaffhausen zu erwähnen, Nina und Kerstin. Als sie von der Veranstaltung hörten, wollten sie unbedingt helfen. Hilfe tat auch Not bei dem Chaos hinter der Bühne. Außerdem endfertigten sie vor Ort die Kostüme, indem sie fantasievoll meine vorab hergestellten Leuchtelemente verarbeiteten.
~Warten auf den Auftritt~
Die Aufführung
Die Aufführung begann pünktlich um Neun und dauerte exakt eineinhalb Stunden. Wie bei dem Blindflug ohne Gesamtprobe mein getimtes Script eingehalten werden konnte ist mir ein Rätsel. Um Neun bimmelt auch das Munotglöcklein auf dem Turm über den Kasematten und ich wollte dessen Geläut – mit der ersten Strophe des Munotslieds unterlegt – zur Freude der Hausherren in die Inszenierung einbauen. Aber nur als feierlichen Kontrast zu der nachfolgenden Wucht der Metal-Musik der „In-Love-Your-Mother“. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die ersten gediegenen Schaffhauser nun entsetzt flüchten würden. Nichts geschah, man applaudierte. Und so ging es weiter. Heftiger Musik folgte romantische. Ernsten Dialogen muntere Spielszenen. Feierlichen Bildern furiose Attacken der Breakdancer. Der Kontrast war Programm. Aber alles schön zusammengehalten durch eine Erzählerin, die abgelaufene Szenen ironisch kommentierte und in neue behutsam überleitete. Es ging um Liebe. Um Frauen. Um Männer. Letztere bekamen ordentlich ihr Fett weg. Es wurde gestritten, kaltblütig analysiert und hoffnungsvoll romantisiert. Und dazwischen tauchte immer wieder als Running Gag der hüpfende Frosch auf, der dann zu Schluss zum begehrten Prinzen geküsst wurde. Gleich vor der beeindruckenden Schlussszene des Zauberer „Lorios“, der aus einer Zigarette eine Papierschlange würgte und diese in einen Regen aus 5.000 leuchtenden Papierkonfettis verwandelte. Der Schlussapplaus zur erfüllten Liebe sozusagen. Es waren mindestens 5.000 Papierschnipsel. Ich habe sie anderntags zusammengekehrt und Stück für Stück aus dem Kies geklaubt. Ach, zum Frosch Robin muss ich noch etwas anfügen. Er fand seine Rolle erst lächerlich und musste dann auch noch als Improvisation mit einem Lappen die Bühne für den nachfolgenden Salto eines Breakdancers trockenreiben. Davor wurde nämlich ein Verführungstrunk aus Leuchtwasser in hohem Bogen ausgespuckt. Er erhielt für diese Aktion den größten Applaus. Wann hat man in Schaffhausen schon mal einen Frosch putzen sehen?
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~Bei den Proben, hinter der Bühne und bei der Vorstellung – je nachdem wie Sie die Fotos gerade sehen~
Apropos putzen: Wir haben alles im Munot wieder tadellos hinterlassen. Sehr zur Freund des allgegenwärtigen Munotwächters Christian Beck. Und ansonsten: Die Fotos sind diesmal nicht von mir. Ich hatte hinter der Bühne genug zu tun. Die Fotos der Proben stammen von Mario Ciceri und die schwer zu realisierenden Aufnahmen bei UV-Licht von Mario Ciceri und Renato Biscaro vom Fotoclub Schaffhausen. Die Rechte liegen bei ihnen und sind mir für Veröffentlichungen zur Verfügung gestellt worden.



Oktober 3, 2011 um 12:07 pm
Hört sich nach einer aufregenden Inszenierung an. Die hervorragenden Fotos untermauern meinen “Verdacht”.
Oktober 3, 2011 um 2:10 pm
Ja, es war nicht schlecht. Danke dir Uffnik.