Brutzeln für Unbedarfte 12): Dörrbohnen mit geräuchertem Rippli und Salzkartoffeln
Dezember 18, 2011
Neulich habe ich mich bei dem Rezeptvorschlag unserer Serie „Brutzeln für Unbedarfte“ stark durch einen letzten, warmen Herbsttag verführen lassen. „Insalata di Fagioli e Tonno“ erinnert ja an Sommerküche. Nun steht der Sinn aber ganz nach einem Wintergericht: Dörrbohnen mit geräuchertem Rippli und Salzkartoffeln. Es ist kein Zufall, dass ich die gedörrten Bohnen an erster Stelle im Titel nenne. Ein ähnliches Gericht – Bohnen mit einem Rollschinkli – hatte ich ja schon einmal beschrieben. Damals waren es aber grüne Bohnen und seitdem träume ich von Dörrbohnen. Warum? Sie schmecken wesentlich intensiver und erinnern mich außerdem an die Kindheit. Meine Mutter dörrte oder trocknete Bohnen aus dem Garten in der Hitze des Dachbodens. Schön auf Zeitungspapier ausgelegt und später in Tuchsäcklein gepackt. Dörren allgemein ist eine fabelhafte Konservierungsmethode, die schon die Menschen im Mittelalter kannten. Heute gibt es diverse Methoden dazu, selbst Dörrgeräte, die elektrisch betrieben werden. Dörrbohnen kann man aber auch im Supermarkt kaufen, selbst wenn sie die Qualität der mutterschen gedörrten Gartenbohnen nie erreichen. Trotzdem, ich habe welche gekauft. 100g. Die reichen für vier Personen.
~Dörrbohnen: Schrumpelige Dinger aus dem Supermarkt~
~Dörrbohnen: So fotografiert erinnern sie mich an Mutters Gartenbohnen~
~Gedörrte Bohnen gut eingelegt: Das Bad für die Nacht~
Der Spaß beginnt schon am Vorabend. Sie legen die Bohnen in eine Schüssel und bedecken sie gut mit Wasser. Im Kühlschrank quellen sie dann über Nacht. Die Kochprozedur am nächsten Tag beginnt mit dem geräucherten Rippli, das in meinem Fall ein schönes Nierenstück vom Schwein war. Auch für vier Personen. Das wird in Wasser zirka 45 Min. gekocht. Natürlich verlangt es ganz unbescheiden nach einem Rosmarinzweiglein. Oder auch zweien. Gute Gesellschaft ist Pflicht. Da mein Rippli in der Vergangenheit oft zu trocken geraten ist, erinnerte ich mich an den Rat eines Metzgermeisters vom Stammtisch: „Achte nicht unbedingt auf die Uhrzeit, sondern probiere beizeiten eine Tranche“. An den Enden ist das Rippchen ja eher durch und wenn die erste Scheibe noch schön saftig und etwas rosa ist, kann man den Rest getrost bei ausgeschalteter Flamme etwas ziehen lassen. Aber noch ist kein Platz für „dolce far niente“. Die Salzkartoffeln werden in appetitliche Würfelchen geschnitten und in ordentlich Salzwasser gekocht. Nun zu unserem Star, den Dörrbohnen: Sie werden natürlich ebenfalls gekocht. Mindestens so lange wie die Kartoffeln. Ich schütte sie mit einem Rest des Einlegewassers in den Topf und füge etwas Gemüsebrühe und Bohnenkraut dazu. Dann wartet man bis die Flüssigkeit deutlich reduziert ist und vermengt danach die gekochten Dörrbohnen mit in Butter angeschwitzten Zwiebelwürfelchen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auch die abgegossenen Kartoffeln vertragen etwas Butter. Einen zarten Schmelz.
~Eine ehrliche Kartoffel: Der liebevolle Begleiter zu den Bohnen~
~Hoppela, das Rippli: Es hat die Kochprozedur schön saftig überstanden~
~Das jüngste Gericht: Rippli mit einem Kranz von Dörrbohnen und Kartoffeln~
Das, was nun folgt, ist einfach: Alles schön abgeschmeckt anrichten. Um die Dörrbohnen zu ehren habe ich sie für das Foto in einem Kranz um die Ripplischeiben gelegt. Mir war gerade so danach. Übrigens: Sollten Sie nicht zu viert essen bleiben vermutlich Bohnen übrig. 100g gedörrte Bohnen sind reichlich. Aber die kann man am nächsten Tag mit etwas Butter aufwärmen und sie als Beilage für ein anderes Gericht verwenden. Sie sind genau so köstlich wie am Vortag. Der Rest des Ripplis eignet sich kalt gut für eine Brotzeit. Oder sogar als Bestandteil einer Spaghettisoße. Lachen Sie nicht. Das schmeckt.






Dezember 18, 2011 um 9:13 pm
Jetzt weiß ich, was ich mit dem zuviel an Bohnen im nächsten Sommer machen kann. Ich habe nie zuvor von Dörrbohnen gehört oder gelesen. Danke für den Hinweis. Es ist hübsch anzusehen was Du angerichtet hast.
Dezember 18, 2011 um 11:10 pm
Bohnen kann man, wie gesagt, auf einer Unterlage (Papier) trocknen oder sie dazu an einem Faden aufreihen.
Dezember 18, 2011 um 11:13 pm
Die selbstgedörrten lesen sich äußerst begehrenswert.
Dezember 19, 2011 um 10:37 am
Ja, sie schmecken besser als grüne Bohnen. Intensiver. Und die Arbeit damit ist leicht. Außerdem hat man immer etwas Vorrat im Schrank. Sie halten ewig.
Dezember 20, 2011 um 8:05 am
“Dörrbohnen kann man aber auch im Supermarkt kaufen”
Du kennst doch den Niederrhein und weißt, dass das hier nicht stimmt. Glückliche Schweiz!
Dezember 20, 2011 um 9:57 am
Das stimmt natürlich, utecht. Ich habe sie am Niederrhein auch noch nie gesehen. Aber die im Artikel angedeutete Anleitung ist leicht machbar: Grüne Bohnen entfädeln, etwas blanchieren und dann trocknen. Auf Zeitungspapier oder an Bindfäden aufgereiht. Geht auch im Backofen.
http://www.wandernonline.de/html/Outdoor/html/dorren_trocknen.html
Januar 2, 2012 um 10:03 am
Ich glaube, nächstes Jahr versuche ich es mal mit Bohnenzucht auf dem Balkon.
Januar 2, 2012 um 10:33 am
Bohnen auf dem Balkon ziehen, oachkatz? Das habe ich noch nie gemacht.
Januar 2, 2012 um 11:30 am
Mit Karotten habe ich es bereits probiert, Ergebnisse waren verbesserungswürdig
Januar 4, 2012 um 8:12 pm
Aber immerhin, oachkatz. Bei mir wachsen nur Minitomaten und Küchenkräuter.
Januar 20, 2012 um 10:55 am
Dörrbohnen ,,, ein schweizer Lokalkolorit. Nie gesehen, nie gehört … und beim ersten Anblick eher an japanische Algengerichte gedacht.
Aber meine Neugier ist geweckt – das versuch ich auch einmal!
Januar 20, 2012 um 8:36 pm
Auch wenn die Dörrbohnen schrumpelig aussehen, sie schmecken VIEL intensiver als grüne Bohnen. Wirklich.