Jahrmarkt im Herbst
Dezember 18, 2011
Jedes Jahr findet in Steckborn, wie in vielen kleineren und größeren Städtchen und Dörfern nicht nur der Schweiz, der Jahrmarkt statt. Es ist ein Ereignis höchster Wichtigkeit und nicht zu verwechseln mit dem Weihnachtsmarkt. Der findet in Steckborn auch statt. Nur später. Jahrmärkte gibt es seit dem Mittelalter und das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten, wurde früher von ordinären Landesherren, Grafen, Königen oder sogar Kaisern verliehen. Steckborn muss früh das Marktrecht besessen haben, denn schon 1313 erhielt das Örtchen am Untersee das Stadtrecht. Zu den mehrtägigen Jahrmärkten trieben früher die Bauern das Vieh in den Ort, um es zu verkaufen. Gewerke aller Art boten ihre Dienste oder Erzeugnisse an: Schmiede, Töpfer, Schreiner, Korbflechter, Tuchhändler etc. und wohl auch Kurtisanen. Ob es die in Steckborn gegeben hat, weiß ich nicht. Aber schon beim Konzil von Kostanz versüßten gerüchteweise über 1.000 leichtfröhliche Mädchen das Leben der Besucher. Und Konstanz liegt in der Gegend von Steckborn und das war 1414 bis 1418. Wie dem auch sei, lustig war es in Steckborn sicherlich. Vermutlich gab es auch zahlreiche Exponenten des Fahrenden Volkes: Gaukler, Wahrsager, Quacksalber, Musikanten und vielleicht sogar Bärenführer. Schaurig schön. Uaaaah. Die Historiker unter Ihnen mahne ich zur Vorsicht: Vieles hier ist nicht verbürgt, zumindest was Steckborn anbelangt. Aber interessant war es.
~Das gute alte Kettenkarussell: Fliegen am Untersee~
Meine ersten Erinnerungen an den Jahrmarkt zu Steckborn sind nicht weniger aufregend. Es roch die Seestrasse hinauf und hinunter nach gebratenen Maronen, Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und den aus Kartons geholten alten Kleider. Das alles gibt es immer noch, nur dass die Kleider nun nach Fernost riechen. Es gab im Hof des Restaurants Schwanen eine Tombola, auf der ich mal ein Huhn gewonnen habe. Es lebte im Garten bei den Nachbarn, legte keine Eier und als es im hohen Alter gestorben ist, taugte es noch nicht mal für die Suppe. Ich hoffe, diese Bemerkung wird aus dem Hühnerhimmel nun nicht so zickig kommentiert. – Sorry Berta – . Karussells und die Autoscooterbahn gab es natürlich auch. Das Rädchen mit den an Ketten hängenden Sitzen hat mich allerdings nie interessiert. Ich wollte früh erwachsen werden. Aber dem Autoscooter gehörte meine Leidenschaft. Schmierig tönte es aus dem Lautsprecher: „Einsteigen zur nächsten Fahrt bitte“. Dann galt es, das Gefährt mit dem schönsten Fähnchen an der Stromabnehmerstange zu erhaschen und wenn man Glück hatte, stieg die Angebetete mit ein. Lässig kurvte man herum und bei jedem Zusammenstoß gab es den einen oder andern frühpubertären Körperkontakt. Und blaue Flecken natürlich, die man abends in glücklicher Erinnerung liebevoll pflegte.
Es hat mich sehr beruhigt, dass es auch heute immer noch den Autoscooter gibt, die Zuckerwatte, die Maronen, die gebrannten Mandeln und den Austausch mit Bekannten beim Bummel durch die Seestrasse. Auch die Bratwürste und gebratenen Servelats gibt es erfreulicherweise noch. Richtig interessant wird es aber anschließend im Restaurant Anker in einer Seitengasse zur Seestrasse. Da kann man die durchgefrorenen Füße aufwärmen und das eine oder andere gepflegte Gespräch führen. Mit dem letzten Berufsfischer aus Steckborn, dem Stadtammann, den kulturell Tätigen und den netten Damen der Gesellschaft.
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~Impressionen vom Jahrmarkt zu Steckborn~

Januar 20, 2012 um 10:58 am
Die Bilder sind aber nicht vom letzten Herbst, oder? Es sieht etwas kalt aus da … lädt zwar zu gebratenen Mandeln ein (ich LIIIIIEBE sie!), aber zum karusselfahren weniger.
Januar 20, 2012 um 8:38 pm
Die Bilder sind vom 14.11.2011. Also vom Spätherbst.