Januarspaziergang

Januar 22, 2012

Der Buchthaler Wald ist ein Erholungsgebiet, das nordöstlich von Schaffhausen an das Gemeindegebiet von Büsingen grenzt. Büsingen ist übrigens eine am nördlichen Rheinufer gelegene deutsche Exklave mitten im Schweizer Hoheitsgebiet. Obwohl die Büsinger weiland bei einer Rheinschiffsfahrt des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit Transparenten am Ufer harrten, auf denen stand „Deutschland hat Büsingen vergessen“, würden sie nun lieber zur Schweiz gehören. Wen wundert´s, bei dem Euro-Desaster. Bundespräsident hin oder her, Bundespräsident Lübke hat charmant gelogen, der neue eher dämlich. Davon wollte ich aber nicht berichten, sondern von meinen Spaziergängen im Buchthaler Wald. Sie befreien meinen Kopf in winterlicher Stille von allem Blödsinn und ab und zu denke ich sogar nach. Auch über Blödsinn, aber das bleibt ja nicht aus. Währendem mein Schritt über hart gefrorene Böden führt und mich das wundervoll poetische Bild klar gezeichneter Baumverästelungen gegen den bleifarbenen Himmel verzaubert, denke ich über meine Vorsätze zum neuen Jahr nach. „Weniger arbeiten und mehr Geld verdienen“ ist ja mein beliebtester öffentlich geäußerter Spruch. Das denke ich aber nicht wirklich.

~Der Weg zum Buchthaler Wald: Gefroren und schön geschwungen~

Meine Vorsätze gehen tiefer. Ich will einfach mehr zur Ruhe kommen. Das fällt in der Gegend, wo Wurst und Würstchen sprießen, das Fleisch und das Gemüse gesund sind, der leichte Landwein köstlich und jeder Koch ein Naturtalent ist, leicht. Es gibt intellektuell keine großen Herausforderungen. Die Kulturszene ist überschaubar, aber nicht langweilig. Es gibt keinen Rummel. Man kann sich in Ruhe zurücklehnen. Zu dröge? Keinesfalls. Nicht nur der Buchthaler Wald, die ganze Gegend mit ihren Menschen, führt zurück zu den Basics. Gut essen, aufrecht leben, wahrhaftig sein. Was juckt einen die ganze Aufgeregtheit? Ich brauche selten ein mobiles Telefon. Ich bin nicht abhängig von Facebook oder Twitter. Auch nicht von andern sozialen Netzwerken. Diese ganze künstliche Scheiße kann mich mal. Soziale Netzwerke sind nur so gut, wie die Freunde, die man da hat. Und wirkliche Freunde im Netz gibt es wie im wahren Leben selten.

~Eine Bank beim Buchthaler Wald: Zu kalt für eine Rast~

Oppela, da hat doch ein Vöglein etwas Schnee von den Bäumen gewirbelt. Das bringt mich auf neue Gedanken. Vielleicht sollte ich meine Schreibfaulheit hier überwinden und trotzdem ab und zu etwas zur Community beisteuern. Aber ich bleibe dabei: Die Realität ist besser als das Gefasel im Internet. Der direkte Kontakt mit Menschen, das Horchen auf ihre Stimmlage, das Beobachten ihrer Gestik, ist besser als jedes Zweitleben. Aber das wissen wir ja.

~Verschneiter Strauch beim Buchthaler Wald: Ein Bild wie im Märchen~

10 Antworten zu „Januarspaziergang“

  1. karu02 Sagt:

    Ich freue mich jedenfalls immer, etwas von Dir zu lesen. Um auf der Bank zu plaudern ist es nicht nur zu kalt, es ist auch zu weit weg.

  2. Lakritze Sagt:

    Oh, Basics oder Netzgefasel — um den Schnee beneide ich Dich. Und freue mich, wenn Du mich teilhaben läßt.

  3. oachkatz Sagt:

    Ein bisschen realität oder zumindest die Möglichkeit davon sind Deine Erzählungen für mich schon auch.

  4. Philipp Elph Sagt:

    Weniger arbeiten geht nicht bei mir als Rentner, mehr Schnee hätte ich gern noch mal in diesem Winter.

  5. cablee Sagt:

    Das hast du sehr stimmig beschrieben, Lenz. Um es mit Qype-Worten zu sagen: dem stimme ich zu.

  6. walterlenz Sagt:

    Danke cablee. Schreibfaulheit im Netz ist ja auch Schreibunlust. Aber das gibt sich wohl. Sonst hätte ich darüber hier nicht nachgedacht.


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