In diesem zweiten Artikel der Serie „Aufgespießt“ geht es um den Werbespot „Valser Wasser“. Er ist meines Wissens nur im Verbreitungsgebiet des Mineralwassers, also nur in der Schweiz zu sehen. Valser ist eine Schweizer Alpenquelle, die auf 1`806 Meter Höhe entspringt. Sie ist eine der höchsten Quellen Europas und so ungewöhnlich rein. Der Werbespot kommt ganz bescheiden daher und ist somit sympathisch. Er macht eigentlich nichts anderes als den Weg des Wassers durch Schnee, Eis und Felsgestein zu beschreiben. Er zeigt die Herkunft des Produkts. Werber nennen das „mit der Heritage, Heimat, arbeiten“. Ich liebe solche Spots, die kein Klimbim machen. Heritage ist in einer Welt, in der Identitäten verloren gehen, wichtig. Heimat schafft Vertrauen. Ich liebe diesen Spot auch noch aus einem andern Grund. Er gibt das Gefühl, dass nichts verschwendet wird. Dass kein unnötiges Werbegeld nur zum Ruhm der Macher investiert wird. Aber die sorgfältigen Bilder sind grandios.

Man sieht in ruhigen Sequenzen zunächst fallenden Schnee im Hochgebirge, dann Tropfen am Fels, dann immer wieder Tropfen am Eis, fließendes Wasser durch Eis und Kiesbett. Alle Bilder sind in extremer Slow Motion und oft im Close-up realisiert. Dazu wird der Text in Dialekt gesprochen (hier in Deutsch): „Ich schwebe, ich falle. Ich bin 10`000 Tropfen. Lachende, leuchtende Perlen. Und ich falle und ich fließe durch die Zeit auf meiner Reise. Denn ich habe Dich gefunden. Tropfen, die leisen, das bin ich. Ich bin Valser“. Bevor ein Bild mit tosendem Wasser und nur dem Schriftzug Valser nebst Claim (Slogan) erscheint, sieht man hinter einer wasserbenetzten Glasscheibe eine junge Frau, die, auch wenn sie es ist, nicht wie ein Model aussieht. Großartige Bilder und die Machart des Films überzeugen. Er braucht auch keine Abbildung des Produkts, wie es im Handel angeboten wird. Nichts, nur der stille Weg des Wassers wird gezeigt. „Valser. Vo Berga gmacht“.

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~Schlussbild aus dem Valser-Spot. Mit freundlicher Genehmigung von Chocolate Films Zürich. http://www.chocolatefilms.ch~

Der Spot wird in drei Längen angeboten: 60, 30 und 20 Sekunden. Er ist auf YouTube unter „Valser. Vo Berga gmacht“ zu finden. Mir ist die 30-Sekunden-Version am liebsten.

Da Valser keine Werbeagentur beschäftigt, wird Snøhetta (Oslo/New York) als Auftraggeber angegeben. Die machen normalerweise das Design der Valser Produkte. Die verantwortliche Filmproduktion ist Chocolate Films Zürich. Ihr Regisseur für den Spot ist der leider vor kurzem verstorbene Schweizer Marcel Langenegger aus Los Angeles. Der Dialektsprecher ist der großartige Bündner Andrea Zogg. Ich hatte ursprünglich vermutet, dass der Spot aus Archivbildern kreiert wurde. Die Inhaberin der Filmproduktion, Michela Trümpi, sagte mir allerdings, alles wäre vor Ort gedreht worden. Marcel Langenegger war für seine Besessenheit authentischer Bilder bekannt. Dieser Spot ist für mich eine stille, gewaltige Botschaft im lauten Werbekonzert. Valser gehört heute übrigens zu Coca-Cola. Wenn dem nicht so wäre, würden sie zu Nestlé gehören. Leider können kleine Anbieter nicht mehr selbstständig überleben.

Den ersten Teil der Serie mit dem Werbespot Hornbach finden Sie hier.

 

In dieser Serie soll es um positive Erlebnisse, die ich bei der Beobachtung von Mediennachrichten gemacht habe, gehen. Fangen wir doch gleich mit einem Werbespot an. Werbung im Fernsehen ist zumeist dämlich. Da bin ich mit Ihnen einig. Es gibt aber auch löbliche Ausnahmen. Eine davon ist Werbung für den Baumarkt „Hornbach“. Während Baumarktwerbung im Kreativland Großbritannien ungefähr so öde ist wie der neue britische Außenminister Boris Johnson und beim Big-Spender-Werbeland USA die Spots wie POS-Videos daherkommen (das sind diese kleinen Filmchen im Baumarkt, die zum Beispiel die Anwendung einer Stichsäge zeigen), hat sich in Deutschland eine feine Werbekultur in diesem Segment entwickelt. Vorreiter ist Hornbach mit seiner Werbeagentur „Heimat“. Hornbach und seine Agentur habe ich schon lange auf dem Werbezettel. Alle Aktivitäten sind köstlich, weil sie auf ungewöhnliche Art unterhalten und mich deswegen überzeugen. Das heißt, sie den guten Willen für den Baumarkt bei mir wecken.

Zur Hornbach-Werbung gäbe es viel zu sagen und zur Berliner Werbeagentur Heimat auch. Ich beschränke mich hier auf den Spot der neuen europaweiten Frühjahrskampagne „Du lebst. Erinnerst Du Dich?“ Nichts ist von Produkten zu sehen. Kaum etwas von Anwendungen. Hier geht es um das taktile Erfahren mit Elementen: Luft, Gras, Kies, Holzspäne, Erde, Schlamm. Webeblättchen titeln schon „Der Wahnsinn kehrt zurück“ und sehen in dem 60-Sekünder „die fast schon symbiotische Verbindung zwischen Heimwerkern und Baumaterialien“. Man kann es so sehen, obwohl ich Deutungen nicht mag. Mir macht der Spot unbändigen Spaß, weil er mutig ist. Er sagt ganz einfach „Du lebst. Erinnerst Du Dich?“

Was geschieht? Ein ordentlich fettleibiger, nackter Mann stürzt sich einen Felsen herunter, schlingert durch Gras, Kies, Bretter, Holzspäne, Unterholz und Erde und landet in einem Schlammloch, das sein zukünftiger Gartenteich sein könnte. Dabei strahlt er und seine Tour ist so hart, dass es einem persönlich weh tut. Den Spot finden Sie auf youtube unter „Hornbach – Du lebst. Erinnerst Du Dich?“ Das Besondere der von der Filmproduktion „Partizan“ unter der Regie des Australiers Tom Noakes produzierten Spots ist, das er nahezu ohne Special-Effekts gedreht wurde, sozusagen „in camera“. Aua. Kreativchef Guido Heffels der Werbeagentur Heimat dazu: „So in etwa mag sich der Spa-Effekt eines umfassend Frühjahrsprojekt im Sinne von Hornbach anfühlen, einem Ort jenseits der zunehmend Urbanisierung und Digitalisierung unserer Welt“. Marketingchef International von Hornbach, Thomas Schnaitmann, sagt vorsorglich: „Mit bloßen Händen Großes zu schaffen, sei ein einzigartiges Gefühl, das jeder Handwerker kenne“. Etwas rationale Erklärung für den irrwitzigen Spot sei einem Mann, der täglich Werbegeld verantworten muss, wohl gestattet.

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~Aus Ermanglung von Stills aus dem Spot, die geschützt sind, hier ein unverfängliches Bild, Quelle Hornbach~

Die Werbeagentur mit dem sympathischen Namen „Heimat“, 1999 in Berlin von Matthias von Bechtolsheim, Guido Heffels und Andreas Mengele gegründet, beschäftigt an vier Standorten zirka 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gehört seit Mitte 2014 zu 70% zum internationalen Agentur-Netzwerk TBWA. http://www.heimat-berlin.com

Es reicht

Juni 18, 2016

Seit 2013 sind einige Musiker gestorben, die ich liebte und die meinen Musikgeschmack sehr geprägt haben. Falls Sie meine hier geschilderte Vorliebe befremdet und Sie musikalisch anders empfinden, kann ich versichern, dass alle drei hier extrem talentiert waren. Sie haben unzählige andere Musikerinnen und Musiker geprägt und beeinflusst. Nun sind sie tot. Sie werden sagen, dass ist doch nicht schlimm. Wir haben ja ihr Werk auf Datenträgern. Falsch. Alle drei haben sich ständig weiterentwickelt und uns mit neuen Ideen beglückt. Das ist bei Musikern, die älter werden, nicht selbstverständlich.

Der erste, der verstorben ist, war der amerikanische Singer-Songwriter und Gitarrist Lou Reed. Er wurde am 2. März 1942 in New York City geboren und sein Leben erlosch am 27. Oktober 2013 in East Hampton bei New York. Ihm war früh klar, dass er Musiker werden wollte. Reed sagte, sein Ziel sei es, die Empfindsamkeit und Intelligenz des Romans als Songwriter auf die Rockmusik zu übertragen. Er gründete zusammen mit John Cale die von Andy Warhol inspirierte Band „The Velvet Underground“. Dort spielte er Gitarre, sang und schrieb die meisten Songs. Obwohl die Band kommerziell nicht erfolgreich war, gilt Velvet als eine der einflussreichsten Untergrund-Bands aller Zeiten und als Wegbereiter der späteren Independent- und Punk-Musik.

Nach der Trennung von „The Velvet Underground“ startete Lou Reed 1970 seine Solokarriere. Im selben Jahr veröffentlichte Reed das Glam-Rock-Album „Transformer“, aus dem mein Lieblingstitel „Walk on the Wild Side“ stammt. Nach einem harten Arbeitstag fuhr ich mit diesem Song auf dem Nachhauseweg immer noch ein halbes Stündchen durch die Natur. Der Text ist ein ironischer Gruß an Außenseiter. Seine Songtexte sind im Allgemeinen illusionslos pessimistisch, aber eher mitfühlend als zynisch. Seine Gitarrenmusik war immer experimentell. Bisweilen stimmte er alle Saiten seiner Gitarre etwas tiefer, um einen sogenannten „Drone“, einen Brummbass, zu erzeugen. Das Doppelalbum „Metal Machine Music“ von 1975 besteht vor allem aus Gitarrenfeedbacks. Soweit zu seiner Musik. Reed heirate dreimal. Zu Schluss 2008 die US-amerikanische Performance-Künstlerin Laurie Anderson. Lou Reeds Leben war zeitweise überschattet von Alkohol- und Drogenkonsum. Trotzdem gelangen ihm immer wieder fantastische Songs, die berühren.

David Bowie ist der zweite, den ich vermisse. Er wurde am 8. Januar 1947 in Brixton, London, geboren und verstarb am 10. Januar 2016 in New York. David war Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler und Maler. Er hat im Laufe seiner über 40-jährigen Karriere über 25 Platten eingespielt und mehr als 140 Millionen Tonträger verkauft. David Bowie wurde von vielen als Camäleon bezeichnet, da er so vielschichtig war und sich dauernd veränderte. Nicht nur, weil er sein Tätigkeitsgebiet häufig wechselte, sondern weil er auch in seinem Hauptgebiet als Musiker immer wieder neu war. Zu Beginn seiner Karriere ließ er sich von moderner Beatmusik, aber auch von der britischen Tradition des Novelty-Songs inspirieren. Er interessierte sich dann für „The Velvet Underground“. Mit seinem Umzug in die Vereinigten Staaten rückte 1973 zunächst die Soul-Musik und Rhythm and Blues in seinen Fokus. Seit 1974 entwickelte er auch ein starkes Interesse an deutscher elektronischer Musik von Kraftwerk und Neu! sowie der Musik von Steve Reich. In den 1980er Jahren wurde Bowie massentauglich. Mit der Single „Lets´Dance“ schaffte er es in den Vereinigten Staaten auf Platz eins der Charts. Disco-Musik, aber eben in Bowie-Manier. Mit dem Album „Heathen“ gelang Bowie 2002 eine Neufindung. Künstlerisch war es für viele Fans eine Rückkehr zum klassischen Bowie-Werk.

David Bowie schrieb unendlich viele Songs, auch für andere Künstler. Als Produzent war er für manche wichtig. Seine Zusammenarbeit mit etlichen Musikern wie dem Gitarristen Mick Ronson, dem Singer-Songwriter Iggy Pop und vor allem dem Klangkünstler Brian Eno ist gut dokumentiert. Bowie liebte es, sich auf der Bühne zu verkleiden. Auch sein Spiel mit sexuellen Identitäten genoss er. Meine von ihm geschaffene Lieblingskunstfigur ist der sphärische Ziggi Stardust von 1972. Bowie experimentierte zeitweise mit harten Drogen. Er war zweimal verheiratet. Zuerst ab 1970 für kurze Zeit mit dem Model Angela Barnett, mit der er einen Sohn zeugte. Ab 1992 mit dem somalischen Fotomodel und Schauspielerin Iman Abdulmajid. David Bowie war eine schillernde, manchmal irritierende Figur, aber ein großer Musiker.

Prince ist der Letztverstorbene in meiner Dreiergruppe. Er wurde am 7. Juni 1958 in Minneapolis, Minnesota, geboren und verstarb am 21. April 2016 in Chanhassen, Minnesota. Der US-amerikanische Sänger war auch Komponist, Songwriter, Musikinstrumentalist und Musikproduzent. Vor allem in den 1980er Jahren beeinflusste er die internationale Musikszene, indem er unterschiedliche Musikgenres miteinander kombinierte. Die stilistische Bandbreite reichte von Rhythm and Blues, Funk, Soul, Pop, Rock, Blues bis hin zum Jazz. Er komponierte, arrangierte und produzierte seine Songs. Außerdem spielte er Instrumente wie E-Bass, Gitarre, Klavier, Keyboard und Schlagzeug. Bei den meisten seiner Studioaufnahmen spielte er alle Instrumente selbst. Auch seine Liedtexte schrieb Prince selbst. Der internationale Durchbruch gelang Prince 1984 mit der Single und dem Album „Purple Rain“ zum gleichnamigen Film, in dem er auch die Hauptrolle spielte. Zu Lebzeiten verkaufte er weltweit über 100 Millionen Tonträger, gewann sieben Grammy Awards, 1985 einen Oscar und 2007 einen Golden Globe Award. 2004 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Prince war sehr talentiert, aber auch exzentrisch. Seine Bühnenshows waren es, aber auch sein Umgang mit Menschen. Darauf angesprochen sagte er, dass er eigentlich schüchtern wäre. Prince machte vieles anders als andere Musiker. Er legte sich mit seinen Plattenlabels an, weil er nichts so sehr schätzte wie seine Freiheit. Das führte dazu, dass er in den letzten Zeiten bei Warner Bros. Records seinen Namen nicht mehr nannte und durch ein unaussprechbares Symbol erstzte. Folgerichtig eröffnete er 1987 sein eigenes Paisley Park Studio in Chanhassen. Ende des gleichen Jahres verhinderte er die Auslieferung seines, seiner Ansicht nach nicht perfekten „Black Albums“, weil er dachte, dass er jeden Moment sterben könnte und nicht danach beurteilt werden wollte. Prince lebte aber noch lange und erdachte neue Vertriebswege für seine Produkte. Zum Beispiel über seine eigene Website, über Gratiszugaben bei Konzerten oder als Beilage in Zeitschriften wie dem Musikmagazin Rolling Stone. Er sicherte sich ab 2014 die Urheberrechte an allen seinen Songs. Legendär sind auch seine Aftershow-Partys in kleinen Clubs. Charakteristisch waren für Prince sein zeitweilen hoher Falsettgesang und seine bisweilen obszöne Songtexte. Von August 1985 bis Ende April 1986 war Prince mit der US-amerikanischen Sängerin Susannah Melvoin verlobt, ab 1987 mit der US-amerikanischen Musikerin Sheila E. Im August 1990 lernte er die Tänzerin Mayte Janell Garcia kennen und heiratete sie 1996. Nach der Scheidung heiratete Prince 2001die Kanadierin Manuela Testolini. Meldungen, die sein Privatleben betrafen, kommentierte Prince ausgesprochen selten. Prince hatte keine bekannten Drogenprobleme. Nach seinem Tod sagte Barack Obama: „Heute haben wir eine kreative Ikone verloren“. Mick Jagger bezeichnete Prince´s Talent als grenzenlos. Madonna schrieb, Prince habe die Welt verändert. Elton John meinte: „Der beste Künstler, den ich je gesehen habe“.

Such a perfect day

März 23, 2016

Der Titel dieses Artikels ist inspiriert durch einen Song von Lou Reed. Der am 2. März 1942 in Brooklyn, New York, geborene und am 27. Oktober 2013 in Southampton, New York, verstorbene Singer-Songwriter und Gitarrist Lou Reed bestimmte weite Teile meiner Leidenschaft für Musik. Nicht nur, weil er Gründungsmitglied der legendären Band „The Velvet Underground“ war. Andy Warhol stand dabei Pate. Lou Reed hatte mit vielen berühmten Musikern zusammengearbeitet und fantastische Songs geschrieben.

Einer davon ist „Perfect Day“. Das Stück stammt aus dem Jahr 1972 und ist durch seine ungewöhnliche Komposition und seinen Text unglaublich schön. 1973 wurde es auf der B-Seite der Single „Walk on the Wild Side“ erstmals veröffentlicht. Produziert wurde es von David Bowie und Mick Ronson. Lou Reed hatte danach sein Stück 2003 für sein Album „The Raven“ neu aufgenommen. Dazwischen wurde es von vielen Künstlern gecovert: Unter anderem von Duran Duran, Kirsty MacColl, Antony Hegarty etc. Am Besten gefällt mir die Version von Patti Smith. Wen wundert es? Die liebe ich auch. BBC verwendete den Song 1997 für eine aufwändige Werbekampagne um Gebühren. Das kam nicht gut an. Kurze Zeit danach korrigierte sich die BBC mit einer Single zugunsten der Aktion „Children in Need“. Jede Textzeile wurde von einem andern berühmten Künstler gesungen. Die Aktion spielte viel Geld für Kinder in Not ein.

Der Text von Lou Reed hat in seiner Interpretation viele Deuter. Manche Kommentatoren verstehen den Text wegen seiner simplen und romantischen Grundstimmung als eine Anspielung auf Reeds intime Beziehung zu Bettye Kronstadt (seine spätere erste Ehefrau) und seine Probleme mit der eigenen Sexualität, mit Drogen und mit seinem Ego. Andere Kommentatoren sehen den Text als Zeichen von Reeds romantisierter Einstellung zu seiner eigenen Heroinabhängigkeit bzw. als „heroin song“. (Quelle hierzu Wikipedia). Ich mache es mir einfach. Da ich kein Musikkritiker bin, höre ich. Eingeschobene Textzeilen wie „You just keep me hanging on“ (Du hilfst mir durchzuhalten) und „I thought I was someone else, someone good“ (Ich dachte, ich wäre jemand anderes, jemand Gutes) machen mich betroffen und nachdenklich. Und das in einem Song, der einen perfekten Tag lobt.

Aber was ist nun für mich ein perfekter Tag? Es ist einfach. Ich stehe auf, frühstücke, lese meine eMails und arbeite. So weit, so gut. Ein perfekter Tag wird es werden, wenn meine Arbeit honoriert wird, zum Beispiel von Zeitungsredaktionen oder Buchverlagen. „Klingende Münze und klingendes Lob“ heißt es ja. Aber auch hier im Web ist mir Anerkennung wichtig. Da Anerkennung nicht immer erfolgt, habe ich ein einfaches Prinzip: Ich erwarte nicht viel und ärgere mich nicht. Schon ein einfaches Telefonat oder ein kleines Gespräch auf der Straße machen mich glücklich. Es sind kleine Dinge, die meine Motivation beflügeln. Schlechte Nachrichten in den Medien machen mich unglücklich. Das Wetter macht mich nicht unglücklich. Es kann regnen soviel es will. Ein ordentliches Gewitter kann für mich der Höhepunkt des Tages sein. Da rumst es ordentlich. Schlecht gelaunt bin ich, wenn ich für befreundete Familien schlecht koche. Ich bin kritisch und weiß selbst, wie gut ich jeweils bin. Aber Freunde verzeihen ja alles. Also ist der Tag perfekt.

~Der Himmel nach einem perfekten Tag~

 

Faxe

März 6, 2016

Faxe war ein Mann, der vor kurzem früh verstorben ist. Er war ein guter Freund. Mit bürgerlichem Namen hieß er anders. Aber er wurde von allen Faxe genannt. Er war dick und hatte prächtige Tätowierungen. Er konnte einen Liter Bier in einem Atemzug leeren. Am Stammtisch webte er an seiner Legende. Er war angeblich zehn Jahre im Gefängnis. Erst wegen einer Kleinigkeit, dann immer wieder wegen seiner Renitenz gegen Gefängnisbeamte. Das glaube ich sogar. Er war Türsteher vor Clubs und vor Bordellen. Das habe ich mir erzählen lassen. Er war angeblich mit einer Bordellbesitzerin verheiratet. Das glaube ich weniger. Noch weniger glaube ich, dass er im Bosnienkrieg als Söldner mit einer Schussverletzung ausgeflogen wurde. Fest steht aber, dass er einmal mit einer Pistole über die Straße im Nachbarhaus einen Fernseher ausgeschossen hat. Ihn hat nachts das Licht geärgert. Das ist wahr. Ein anderer Freund von mir besaß diesen Fernseher. Ich könnte noch andere unglaubliche Geschichten von ihm erzählen. Lassen wir das.

Faxe besaß, wie er vorgab, ein Motorrad. Falsch. Er besaß ein Fahrrad in Postgelb. Darauf schwankte er spätnachts nach Hause. Wir amüsierten uns immer über sein Gewicht bei seinen Fahrkünsten. Einmal hatte er einen freilaufenden Hund angefahren. „Der ist mir vors Rad gelaufen“. Danach schob er sein Rad meistens. Faxe war ein Mann mit Manieren. In seiner Stammkneipe, die im ersten Stock war, begrüßte er mich einmal: „Willkommen in der Beletage.“ Er war äußerst zuvorkommen zu Frauen, was in der derben Männerrunde der Stammkneipe nicht üblich war. Er ist ohne Vater in einer Kneipe bei seiner Mutter aufgewachsen, war also für das Leben gehärtet. Er wurde zu einem guten Schreiner. Faxe ist wahrscheinlich wegen Alkohol- und anderem Drogenkonsum früh verstorben. Obwohl er dick war, ernährte er sich nur von leicht kaubaren Essen vom Chinesen, das er in seiner Mikrowelle aufwärmte. Als er begraben wurde gab es einen Aufruf in der Stammkneipe, dass jeder ihn mit einer Flasche Bier beerdigen sollte. Dem habe ich mich verweigert. Aber ich stehe oft vor seinem Grab und der Stammtisch ist nicht mehr so, wie er war. Es fehlt die Seele, der Faxe.

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~Der Faxe, sein Stammplatz in der Kneipe wurde markiert~

Kaugummi

Februar 21, 2016

Was für ein triviales Thema, aber trotzdem interessant, wenn man seine verschiedenen Aspekte sieht: Kulturhistorisch, medizinisch, zeitgeschichtlich. Der oder das Kaugummi wurde durch den US-Fabrikanten John Curtis Jackson 1848 erstmals industriell unters Volk gebracht. Er experimentierte nach einem indianischen Rezept mit Fichtenharz als Grundstoff und Bienenwachs als Zugabe. Der große Durchbruch gelang dem New Yorker Erfinder Thomas Adams. Er versucht sich erst erfolglos. Danach kam er auf die Idee, Latex als Alternative zu den damals beliebten Kauriegeln aus Parafinwachs auf den Markt zu bringen. Die ersten Chicle-Kugeln von Adams waren geschmacklos, kosteten einen Penny und wurden 1871 in einem Drugstore in New Jersey verkauft. Nach den ersten Erfolgen gab es lange Streifen mit Einkerbungen zu einem Penny als neue Form. Später gab es Kaugummis, die unter anderem mit Lakritze oder Pfefferminz aromatisiert wurden. Der Amerikaner William Wrigley wurde 1890 zum erfolgreichsten Kaugummifabrikanten der Welt, dabei wollte er erst nur Seife und Backpulver herstellen. Wrigley’s Juicy Fruit und Wrigley’s Spearmint sind auch heute noch Weltfabrikate. Ist das alles?

Zurück zur frühen Historie. Aus archäologischen Funden ist bekannt, dass schon in der Steinzeit bestimmte Baumharze gekaut wurden. Die alten Ägypter kauten Kügelchen aus Myrrhe, Weihrauch und Melone. Auch bei den zentralamerikanischen Ureinwohnern war das Kauen populär. Und zurück zur frühen Jetztzeit. 1928 experimentierte Walter E. Diemer bei der Fleer Chewing Gum Company in Philadelphia mit Kaugummirezepturen, wobei er – seiner eigenen Aussage nach eher zufällig – eine elastischere Kaumasse komponierte, die die Bildung großer Kaugummiblasen ermöglicht. Diese Eigenschaft verhalf dem neuen Produkt unter dem Markennamen Dubble Bubble schnell zu weiter Verbreitung. Und so bin ich in meinem Element, meiner ersten Liebe. Meine erste Freundin konnte großartige Kaugummiblasen herstellen. Ich war fasziniert, nicht nur weil sie damit Selbstbewusstsein demonstrierte, sondern auf mich eine erotische Wirkung auslöste. Bis zum Platzen. Es lebe der Bubble-Kaugummi.

Aber jetzt sollen wir medizinisch werden. Die anregende Wirkung des Kaugummis kommt weniger von den Inhaltsstoffen, sondern vielmehr durch die Arbeit der Kaumuskulatur, die die Blutversorgung des Kopfes und damit die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert. Die zahnschädigende Wirkung bestimmter Inhaltsstoffe normaler Kaugummis, vor allem Zucker, wird teilweise durch die zahnreinigende Wirkung kompensiert. Beim Kaugummikauen wird viel Speichel produziert, der die Schleimhaut der Speiseröhre schützt, indem er die Magensäure verdünnt. 7,7 % der Deutschen kauen täglich Kaugummi, 20,6 % mindestens einmal in der Woche und 51,6 % so gut wie nie. Dazu gehöre ich. Trotzdem.

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~Action Painting an der Bushaltestelle~

Handelsüblicher Kaugummi ist nicht biologisch abbaubar. Wenn ein Kaugummi einfach weggeworfen wird, bleibt er auf der Straße, Kleidung, Schuhe etc. kleben und es dauert meist mehrere Jahre, bis er zerfällt. Ausgespuckte Kaugummis stellen ein großes Problem für Reinigungskräfte dar. Sie lassen sich nicht mit einfachen Mitteln wie Fegen oder Bürsten entfernen. Sehen Sie dazu ein Bild, das ich bei einer Bushaltestelle aufgenommen habe. Es könnte aber auch der Vorplatz zu McDonalds sein. Mir gefällt das Bild. Es sieht aus wie das Bild von einem modernen amerikanischen Künstler. Zu Schluss noch ein Tipp von mir. Mit Kaugummi verunzierte Schuhsohlen lassen sich kaum reinigen. Einfach den Schuh in einen Plastikbeutel stecken und ihn in den Kühlschrank stecken. Nach einigen Stunden wird der Kaugummi spröde und ist leicht herunterzuklopfen.

 

Die Macht der Medien (1)

Februar 14, 2016

Die Macht der Medien ist ein Thema, das so alt ist wie die Verbreitung von Textnachrichten seit Gutenberg in gedruckter Form, beispielsweise in Zeitungen. Später kam der Film mit seinen Bildern dazu. Heute ist es vor allem das Fernsehen und das Internet, die Meinungen beeinflussen. Wenn man es genau nimmt, waren schon die Darstellungen auf Stelen von Herrschern der Antike und Bildern in Kirchen und Palästen der Renaissance mediale Ereignisse. «Seht mal her, so ist es und so war es.» Der Mensch sollte sich ein Bild der vielleicht gelenkten Wahrheit machen. Ich werde jetzt nicht auf die verdummenden Nachrichten im Dritten Reich eingehen, auch nicht auf die gesteuerte Kriegsberichterstattung seit Vietnam beispielsweise. In allen diesen Nachrichten steckt trotzdem ein Funken Wahrheit, aber manchmal auch Manipulation. Filmen im Fernsehen kann man in der Auswahl von Sequenzen, deren Abfolge und Zusammenhänge, ein wahrhaftiges Gesicht geben. Dazu braucht es dann nur einen Kommentar. Ich habe mich aktuell darüber oft mit einer Cutterin, Bildschneiderin, des Schweizer Fernsehens, unterhalten. Keine Frage, diese Leute wollen einen verantwortungsvollen Job machen und sie werden zumindest hier nicht gesteuert. Ich möchte aber nicht in einer Fernsehredaktion sitzen und eine Wahrheit bestimmen. Es wäre nur meine eigene. Nur, wer hilft den Konsumenten bei einer Meinungsbildung? Aktueller Anlass für diesen Artikel ist die Berichterstattung über Flüchtlinge. Ich sehe Bilder von geretteten Flüchtlingen auf Schlauchbooten im Mittelmeer und Bilder von Familien mit Kindern auf der Balkanroute im Schneetreiben. Gleichzeitig sehe ich Bilder der Silvesterkrawallnacht in Köln mit Übergriffen von Flüchtlingen. Später kommen die Bilder einer Razzia in Düsseldorf gegen Dealer und Taschendiebe aus Nordafrika dazu. Und immer wieder Bilder von Übergriffen auf Flüchtlingsheime verblendeter Rechtsradikaler in Deutschland. Die Medien machen es uns mit einem Bauchladen an Nachrichten nicht leicht. Was ist richtig und was wird übertrieben? Wer ist gut und wer ist schlecht? Es gibt Grautöne und oft kann man Wahrheiten nicht genau bestimmen. Die Medien helfen uns nicht dabei. Sie wollen tagesaktuell und möglichst reißerisch sein. Der liebe Gott ist dabei die Quote. Da hilft uns nur immer wieder, ein Urteil unter vielen Nachrichten sich selbst zu bilden. Das ist mühsam. Aber das machen wir doch alle gerne. Es wird von mir noch Vieles dazu geben, über verdummende Werbung und die Macht des Internets.

Was ist Glück?

Dezember 28, 2015

Eine kleine Betrachtung zu Neujahr

Glück wird von beinahe allen Menschen als wichtiger Bestandteil ihres persönlichen Wohlbefindens betrachtet. Dabei sollte es nicht nur um materielles Glück gehen. Lottomillionäre sind eh selten und ein lukratives Erbe auch. Wer dem schnöden Mammon hinterherrennt, muss nicht unbedingt glücklich werden, wobei es jedem zu gönnen ist. Und so kommen wir gleich zu einer zentralen Erkenntnis. Man sollte sein Leben nicht mit dem von andern vergleichen. Persönliche Lebensentwürfe sind unterschiedlich und Karrieren auch. Vieles ist von Einflüssen abhängig, die man nicht bestimmen kann. Sich mit andern zu vergleichen erzeugen Unsicherheit oder Irritationen und im schlimmsten Fall Neid. Und Neid macht hässliche Falten im Gesicht und hinterlässt Narben in die Seele. Wenn es um die Karriere geht, ist der Vergleich mit andern aber trotzdem oft nützlich. Denn er dient als Ansporn, aber nur bei der richtigen Einschätzung seiner Möglichkeiten. Genug mit Geld und Karriere. Glücksforscher haben seit langem das wichtigste Feld von Glück entdeckt und kluge Bücher geschrieben. Dies ist auch eine Abrechnung mit einem befreundeten Professor an der Universität Zürich, der mit seinem Gelaber über Glück mir immer die Frauen auf Partys ausspannt. Es geht ihm darin um das emotionale Glück und mit seinen Vorträgen hat er schon viel Geld verdient. Um Zufriedenheit durch schöne Erlebnisse zum Beispiel. Liebe Glücksforscher: Woher wollt ihr wissen, was jeder einzelne Mensch braucht? Kluge, wissenschaftliche Erkenntnisse sind da meist unnütz. Sein Glück muss man selbst suchen und dafür braucht es keine Bücher. Es ist ein optischer Eindruck, der für jeden Menschen, egal wo er lebt, zu finden ist. Schöne Bilder machen glücklich, egal ob es eine Landschaft, ein lächelndes kleines Kind oder ein stolzer Greis ist. Auch die Berührung eines lieben Menschen macht glücklich. Mein Glück finde ich unter anderem auf einer Bank in einer schönen Landschaft. Da bin ich frei vom Alltagsstress. So einfach ist das. Anmerkung: Wer mich kennt, weiss, dass ich kein Glücksforscher bin. Ich bin eher Ironiker. Ihnen ein glückliches neues Jahr.

Mein Blick im Winter

Mein Blick im Winter

Köstlich war es an einem der letzten Samstage im Hinterhof des ehemaligen Schaffhauser Restaurants «Tanne». Kurz: Die «Tanne» ist ein ehemaliges Hotel und Restaurant, das weit über lokale Grenzen Berühmtheit erlangt hat. Peter Hartmeier, der einstige Chefredaktor des Tagesanzeigers, verstieg sich einmal zu der Behauptung, dass die «Tanne» die schönste «Beiz» nördlich der Alpen wäre. Für viele Stammtischgäste, so auch für mich, ist das wahr. Die schöne Weinstube mit dem Holztäfer und dem Wein aus dem Keller, der alten Kasse und den verblichenen Zeitungen am Zeitungsständer war ein Kuriosum. Vor allem durch die Wirtin Fräulein Zimmermann, die niemals «Frau» genannt werden wollte. Auf meine Frage nach ihrem legendären Kalbskopf, den es aus Altersgründen der Wirtin und Köchin nicht mehr gab, sagte sie einmal: «Go usse id Schiessi, dann siescht du eine im Spiegel.» Das schmächtige Fräulein Zimmernann war das Herz und die Seele. Unbestritten. Nun ist sie tot. Sie hat ihren Besitz der Stadt Schaffhausen vermacht. Das Grundstück in hervorragender Lage ist ein Filetstück. So war denn an diesem Samstag die ganze Politprominenz, vom Schaffhauser Regierungsrat Reto Dubach, den Anwärtern zum Schaffhauser Stadtpräsidenten Peter Neukomm und Raphaël Rohner und weiteren Politikern im Hinterhof versammelt. Auch viel Prominenz aus der Kultur war zu sehen. Wahlkämpfe standen an und die Stadt Schaffhausen ist gefragt, was mit der schönen Weinstube gemacht werden soll.

Das «Haus zur gewesenen Zeit»

Man hätte sich die Diessenhofener Gruppe um Monika Stahel für diesen Anlass nicht besser wünschen können. Frau Stahel ist bekannt dafür, dass sie ihre Schauspieler aus ihren riesigen historischen Fundus einkleidet. Ein Freund von mir ist überzeugt, dass alles bis zur Unterhose stimmt. Die gewesenen Zeiten wurden im Sinne der Veranstaltung gut dargebracht. Die Gäste im Hinterhof stolperten über allerlei historisches Handwerkszeug und waren verblüfft über schauspielernde Handwerker, Damen, die putzten, Türen lackierten und nachschauten, ob die aufgehängte Wäsche schon trocken war. Es war eine Schauspielerei, die das Publikum positiv irritierte. Man konnte die schönen offiziellen Reden und den Rummel um das obligate Buffet gut ertragen. Wirklich gut. Über die «Tanne» wird es noch viel zu sagen geben. Ich werde das in gebührender Form nachholen.

Swisscom Kundenchat

April 15, 2014

Wenn das Telefon nicht mehr funktioniert, ist das eine Angelegenheit wie in Krisenzuständen. Wir trommeln ja nicht mehr Nachrichten, sondern bezahlen teure Anbieter. Dass es nun hier die Swisscom trifft, ist ein Zufall. Da ich nicht mehr telefonieren konnte, habe ich erst den Quick Check gemacht. Alles war in Ordnung. Dann habe ich mein neu gekauftes Swisscom-Telefon, inklusive aller Kabel und Basisstation, in ein Kundencenter der Swisscom gebracht. Der Kundenberater war in Ordnung. Er hatte nur den überheblichen Eindruck gemacht, dass ich etwas unbedarft bin. Das mag wohl sein. Nur, mein neu gekauftes Telefon von der Swisscom funktionierte bis dahin immer. Es funktionierte auch vor Ort im Kundencenter. Zuhause angekommen funktionierte nichts mehr. Mein Verdacht fiel auf die Swisscom, auf die zur Verfügung gestellten Leitungen. Angehende Anrufe konnte ich empfangen, ausgehende Anrufe wurden nach einem Freizeichen nicht weitergeleitet. Ich habe meine Rechnungen immer bezahlt. Daran konnte es nicht liegen.

Da ich nicht mehr telefonieren konnte, habe ich mich auf einen Chat mit der Swisscom eingelassen. Es war mühsam: Meine Frage: «Mein Telefonanschluss für abgehende Gespräche wird seit Tagen immer wieder blockiert. Bitte regeln Sie das auch für die Zukunft. Mein Gerät ist in Ordnung. Ich habe es im Swisscomcenter überprüfen lassen. Meine Steckverbindungen sind in Ordnung. Es kann also nur an der Swisscom liegen.» Die Antwort im Chat: «Guten Morgen Herr sowieso (meinen Namen habe ich ersetzt): «Bitte geben Sie mir Ihre Telefonnummer ein.» Das habe ich dann gemacht. «Einen Moment bitte». « Können Sie mir bitte sagen, wie die Symbole auf Ihrem Router leuchten?» Keine Frage, alles war grün. Alles hat bei mir funktioniert. Dann (ich verkürze das): «Okey dann empfehle ich Ihnen einen Reset am Router durchzuführen, wissen Sie, wie dieser Vorgang geht, damit man den Router auf die Werkseinstellungen zurückführt?» Na klar, das weiss jeder. Ich verkürze den Chat in der Schilderung weiterhin. Swisscom: «Ich versuche einen Mitarbeiter für den Rückruf zu organisieren.» Es wurden 48 Stunden in Aussicht gestellt. Kein normaler Mensch kann heute ohne Telefon leben. Einer, der seine Telefonverbindungen beruflich braucht, schon gar nicht. Mein letzter Hilferuf im Chat wurde mit der Nachricht beendet «Vielen herzlichen Dank bei uns im Swisscom Chat, ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.» Ich hatte keine Gelegenheit, mich weiter zu äussern.

Nun sind andere Telefongesellschaften nicht anders. Mir schwillt nur der Kamm. Um wieder zu telefonieren, habe ich dann für einiges Geld einen örtlichen Fachmann hinzugezogen. Er hat mir bestätigt, was ich immer wusste: «In Ihrem System ist alles in Ordnung. Der Telefonbetreiber hat wohl einen Knoten.» Sonst noch etwas?

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