Hitzespaziergang

August 22, 2018

Wenn es die Zeit erlaubt mache ich jeden Tag einen Spaziergang. Immer den gleichen. Zum Nägelsee, der eigentlich Egelsee heißen müsste. Denn da hat der letzte Scharfrichter Schaffhausens Blutegel gezüchtet. Scharfrichter waren im Nebenberuf Schröpfer. Der falsche Name stammt aus einem Irrtum in der Fortschreibung des Flurnamens. Das habe ich nach Recherchen von wenig verfügbarem Material herausgefunden. Aber weiter: Der Spaziergang ist wunderschön, denn ich entdecke immer wieder Neues, winters wie sommers.

~Abgeerntetes Weizenfeld: Da wächst vorerst nichts mehr.~

Wie allgemein bekannt, war es in diesem Sommer bis jetzt bullig heiß. Kein Problem, ich gehe früh. Auch wenn die Bauern in der Gegend kaum ernsthaft Ernteausfälle hatten, ist die Natur trotzdem in Mitleidenschaft gezogen. Die Erde ist krustig und staubtrocken, die Pflanzen sind eher braun als grün. Und der Nägelsee, der eigentlich aus drei Weihern besteht, ist von einer grünen Tunke bis zum Rand gefüllt. Es ist nicht die Entengrütze, die man ansonsten jährlich findet, sondern Schlamm. Ich vermute, dass das Wasser kaum Sauerstoff mehr hat. Die Enten sind wie zur Warnung weggezogen.

~Der Nägelsee: Ein schlammiger Tümpel, ganz anders als sonst.~

~Ein Zicklein: Etwas benommen im Halbschatten.~

Die Zicklein im nahen Gehege liegen faul im Schatten. Sonst kommen sie den Spaziergängern, den Müttern mit Kinderwagen, immer freudig erregt entgegen und blöken. Denn es gibt Futter. Popcorn und ähnliches. Auch die Wildsau liegt wie tot in der Gegend. Sie kommt sonst auch, wendiger als erwartet, bis zur Abzäunung. Übrigens hat sich ihr Grunzen zu einer Art Blöken verändert. Sie ist wohl ein verkleideter Papagei, die Wildsau.

~Die Wildsau: Kurz und mürrisch auf den Beinen.~

~Tomaten: Ob die wohl ein frisches Helles vertragen würden?~

Auf dem Rückweg entdecke ich Tomatenpflanzen im Schatten eines Sonnenschirms. Ich weiß wohl, dass deren Gärtner, ein Rentner, sehr fürsorglich ist. Aber das? Wie auch immer. Die Sonne brennt an diesem Morgen erbarmungslos. Ich bin froh, dass ich mich dem kühlenden Schatten meines Wohnhauses nähere. Kühle Luft empfängt mich. Mit etwas Modergeruch, da anscheinend die Kellertür offensteht. Aber auch das ist angenehm.

~Unbarmherzig: Die Sonne brennt. Nicht wirklich, nur sprichwörtlich.~

~Kühlender Schatten: Jetzt gibt es Eistee, natürlich selbstgemacht.~

Damit Sie sehen, wie schön der Nägelsee normalerweise ist, hier ein Link zum Sommer. Und zum Winter. Viel Spaß.

 

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7 Antworten to “Hitzespaziergang”


  1. Sehr schön und bildhaft beschrieben! ☀👍

  2. Arabella Says:

    Ich fühl‘ mich wie die Wildsau;-)

  3. Philipp Elph Says:

    Nun ist es vorbei mit der Hitze. Die Folgen werden uns noch eine Zeitlang verfolgen.


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